Die Zeit zwischen den Zeiten

Es ist schön, wenn so viel Leben stattfindet, dass die Reflektion darüber zum Erliegen kommt. Aber ein solches unreflektiertes Leben ist ein Sturm, der uns unvorbereitet lässt auf die Ruhe danach. Und so sind Momente der Stille kostbar für mich. Denn das Leben auf Schloss Klaus ist ja kein hedonistisches. Im Gegenteil steckt viel tiefer Sinn in den Tagen und den muss ich verarbeiten.

In den vergangenen Wochen habe ich es verpasst, ausführlicher über unseren Gottesdienst zu berichten. Ich habe nichts von unseren Snowboardausflügen erzählt. Die zahlreichen Besucher und unerwarteten Bekannten, die scheinbar magisch auf den Schlossfluren auftauchten, blieben unerwähnt. Kein Wort über all die großartigen Lehrer, nicht einmal über die Inhalte ihrer Unterrichtseinheiten.

Ein endloser Knoten

Dort, wo sich die Stränge eines endlosen keltischen Knotens berühren, findet die Zeit zwischen den Zeiten statt. Es ist ein Zwischenraum, der nur darüber definiert wird, was außerhalb seiner selbst liegt. Nicht mehr Gestern, noch nicht Morgen aber ein Heute existiert nicht. Nicht mehr Winter, noch nicht Frühling. Anstrengende Tage liegen hinter mir, die letzten drei Bibelschulwochen vor mir. Das hier und jetzt wirkt irreal. Nur in dieser Zeit zwischen den Zeiten ist es möglich, sich zwischen unserer Welt und der keltischen Anderswelt hin und her zu bewegen. Die Zeit scheint still zu stehen.

Vorausgesetzt, man will gar nicht in die Anderswelt, gibt es kaum einen besseren Moment für eine Zigarette. Denn die Zeit zwischen den Zeiten lässt sich filmisch nicht einfangen und so ist es der einzige Moment, in dem man sich sicher sein kann, nicht einem werblich erzeugten Klischee auf den Leim gegangen zu sein. Abgesehen von einer Zigarette ist die Zeit zwischen den Zeiten der richtige Moment für so ziemlich alles. Es sei denn, man möchte in die Anderswelt. Dann sollte man alles andere möglichst sein lassen und sich schleunigst in die Nähe eines irischen oder schottischen Steingrabes oder dergleichen begeben. In Österreich gibt es soweit ich weiß keine keltischen Steingräber und so lasse ich die Anderswelt heute in Ruhe. Ich schließe auch den Laptop, schließe meine Augen und in der Stille befehle ich meine Gedanken dem Herrn an. Sprich: ich bete. Eine bessere Reflektion kann es nicht geben.

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