Arabische Freundschaft

Einmal pro Woche gebe ich Deutschunterricht für Flüchtlinge. Meine Gruppe besteht aus sechs Männern zwischen 19 und 35 und wir verstehen uns prächtig. Wurde schon mehrfach zu wahren Festmahlzeiten in ihr Containerdorf eingeladen. Dann sitzen wir da auf den Behelfsmöbeln und essen gemeinsam aus großen Schüsseln oder von Backblechen syrische oder irakische Köstlichkeiten. Danach gibts schwarzen Tee und Schischa.

Glücklicherweise gibt’s den Google-Übersetzer und ab und zu kommt auch mal einer vorbei, der ganz ordentlich Deutsch (mit köstlichem Ösi-Akzent) oder Englisch spricht. Inzwischen haben wir die ersten weichen Themen hinter und gebracht und sie erzählen von ihren zerstörten Häusern, kaputten Autos, von Verletzungen, von toten Haustieren – und toten Freunden und Familienmitgliedern.

Keine Ahnung, ob ich darauf gut oder gar richtig reagiere. Aber was kann ich schon falsch machen? Wir sprechen die Sprache des anderen nicht und ich bin für viele von ihnen der einzige Gesprächspartner, der nicht ganz ähnliche Dinge erlebt hat. Es gibt keine Worte, die ihren Schmerz oder Leid so mirnichtsdirnichts lindern könnten. Gott hat mich in diese Beziehung hineingestellt und einmal mehr freue ich mich darüber, dass wir Hiob bereits besprochen haben …

Und sie spielten mir stolz zwei deutsche Lieder vor, die ihnen gut gefallen. Die Auswahl hat mich vom Hocker gehauen: Ein bisschen Friede von Melanie und Schrei nach Liebe von den Ärzten. Treffender geht’s nicht oder? Ich meine, sie hatten ja keine Ahnung von den Texten – jetzt schon.

Gestern war ich mit zweien meiner syrischen Freunde bisschen spazieren. Wir sind aus dem Ort raus und auf den nächsten Berg gefahren. Haben das Auto irgendwo stehen lassen und sind quer über die Wiese, bis wir einen Weg den Hügel hinauf gefunden haben. Dort oben, ein bisschen näher am Himmel, war es ruhig. Die Sonne hat uns ins Gesicht geschienen, wir haben Pistazien gefuttert. Und ausgemacht – sobald es möglich sein wird – gemeinsam nach Berlin zu fahren.

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