50 Shades of Grey – Hiob

In mindestens 50 Nuancen ziehen die Nebelschwaden an uns vorbei. Vor den Fenstern unseres Turmzimmers nichts als Weiß und Grau und es wirkt, als würden wir langsam dahinschweben, mitten durch die Wolken in eine andere Welt.

Passend zum eher miesepetrigen Wetter das Thema der vergangenen Unterrichtseinheit: Hiob. Eine Geschichte voller Leid, Anklage und einem schier furchtbaren Gott. Es geht um ratlose Ratgeber, um wirkungslose Theologiekonstrukte aber auch um einen Gott, der schon für sich anbetungswürdig ist, nicht nur aufgrund des Segens, der von ihm zu erwarten oder des Leids, das zu befürchten ist. Wir haben die Geschichte durchgekaut, Bilder interpretiert, Übersetzungen gewälzt und Wortbedeutungen gegeneinander abgewogen. Nichts davon an dieser Stelle.

Ich glaube, das wir kein ebenso krasses Leid wie Hiob erfahren müssen, um uns mit ihm vergleichen zu können. Wir müssen auch keinen Menschen begegnen, die kurz vor dem Tod stehen, die alles verloren haben, um uns mit seinen Freunden vergleichen zu können.

Die Geschichte von Hiob spricht in die Situation jedes Gläubigen, an verschiedenen Zeitpunkten in seinem Leben. Hiob und seine Freunde konnten sich das Leid nicht erklären und versuchten, ihre Erkenntnis über die Situation zu stülpen: Hiobs Leid muss Folge von Sünde sein. Das Problem: Hiob war sich sicher, nicht gesündigt zu haben.

Es gibt schon für kleinere Probleme unendlich viele Ratgeber in schriftlicher oder mündlicher Form. Und die sagen uns ganz genau, was wir tun müssen, um endlich Gottes Gegenwart zu spüren, um endlich Gottes Stimme zu hören, um endlich eine bestimmte Sünde loszuwerden, um endlich den Partner fürs Leben zu finden, um endlich vergeben zu können, um endlich seine Berufung zu entdecken, um endlich gesund zu werden.

Oftmals sind wir mit lieblosen Ratschlägen an der Hand. Vielleicht erprobt, sogar in unserem eigenen Leben und deswegen zum Maßstab erhoben. Ohne Geduld, denn schließlich haben wir unsere eigenen Probleme, die auch ihre Zeit brauchen. Wir kennen den richtigen Weg für unser Gegenüber und wenn sich aufgrund unseres Ratschlags nichts ändert, muss das die Schuld des Anderen sein. Er müsste halt endlich die Kontrolle abgeben. Er müsste halt endlich Buße tun. Er müsste halt endlich dem heiligen Geist mehr Raum lassen. Er müsste sich halt endlich taufen lassen. Er müsste halt in eine (bestimmte) Gemeinde gehen. Er müsste sich halt ein wenig zurücknehmen. Er müsste …

Hiob zeigt uns meines Erachtens auch, dass wir uns damit zurückhalten sollten, unsere eigenen Lösungen als systematisch notwendig anzusehen. Wir können immer nur ein Beispiel sein, niemals die Lösung. Gott kennt die Lösung und die mag allem, was wir erfahren, erforscht und erschlossen haben, zu wider laufen, selbst dann, wenn wir uns sicher sind, für eine bestimmte Situation ein Prinzip entdeckt zu haben. Wir dürfen uns nicht gegenseitig verurteilen, sondern sollten uns ermutigen, am Glauben fest zu halten und auf Gott zu schauen.

Im Zweifel müssen wir davon ausgehen, dass unser Gegenüber alles getan hat, was in seiner Macht steht und das Ausbleiben des erwarteten göttlichen Handelns nicht auf menschliches Versagen, sondern auf Gottes Ratschluss zurückzuführen ist. Gleichzeitig müssen wir selbst aufpassen, in einen Fatalismus zu verfallen und mutlos zu werden. Wir dürfen uns mit einem misslungenen Versuch nicht zufrieden geben, sondern müssen weiter nach Gottes Willen forschen. Und wenn wir fallen, dann können wir uns fallen lassen. Hinein in Gottes Arme. Denn unserer Errettung können wir Gewiss sein. Und am Ende zählt nichts anderes als diese.

 

Dass Bild zeigt die Bergkapelle, die ursprünglich zum Schloss gehörte, während der Konterreformation allerdings der Katholischen Kirche im Orte zugesprochen wurde. Von der Bundesstraße, die an der Mauth vorbeiführt, dem am tiefsten gelegenen Gebäude des Schlosskomplexes, hinauf zur Kapelle ist ein hervorragends Fitnessprogramm: Sprinten, so lange es geht, so viele Liegestütze wie möglich, weitersprinten, so lange es geht, Liegestütze, … abartig!

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