Flüchtlingslager Klaus

Letzte Woche stießen drei weitere Bibelschüler zu uns auf Schloss Klaus. Drei Syrer, so Ende 30, Asylanträge laufen. Nein, keine Moslems. Auch in Syrien gab und gibt es Christen. Sie sind eigentlich in Salzburg gemeldet und gingen mit einigen anderen zu einem Gottesdienst, den eine Dame speziell für Flüchtlinge anbot. Sie erzählte von Schloss Klaus und diese drei Syrer waren interessiert. Das Flüchtlingsamt musste zustimmen, denn eigentlich besteht Residenzpflicht und Salzburg ist ein anderes Bundesland. Nun sind sie also hier. Sie leben offiziell bei Familien in Salzburg, über die die Behörden sie auch erreichen können. Die nächsten sechs Monate verbringen sie aber mit uns zusammen auf dem Schloss.

Der Unterricht ist auf Deutsch und es wäre wenig sinnvoll, sie hier bereits zu integrieren. So haben sie vormittags ihren eigenen Sprachunterricht und nehmen am restlichen Programm Teil. Bisher lässt sich das ziemlich easy an.

Besonders gerne lernen sie mit unserer kleinen zweijährigen Tochter Deutsch. Ihre Aussprache ist nicht immer ganz deutlich, dafür verwendet sie meist eine einfache Sprache. Und so erzählt sie von den Tieren, die sie gesehen hat, was sie ihnen zu Essen gegeben hat und welche Tiere sie außerdem mag. Begleitet von Tierlauten und ständiger Wiederholung.

Neben den äußerlichen Problemen, vor denen die drei geflüchtet sind, wirken die innerlichen Probleme, vor denen einige Bibelschüler inklusive mir flüchten, recht klein. Nun lassen sich Probleme und es lässt sich auch Leid nicht vergleichen. Aber es ist manchmal doch ganz gut, die eigene Lage aus einer anderen Perspektive zu sehen und festzustellen, wie verflucht gut es einem selbst doch eigentlich geht. Es rührt mich außerdem zutiefst, wie liebevoll insbesondere einer der Drei mit meiner Tochter umgeht, denn wie wir uns alle denken können, verbinden nicht alle Flüchtlinge nur positive Erinnerungen mit Begriffen wie Familie. Ich weiß noch nicht viel von ihm, aber wenn ich an das bisschen denke, was ich weiß und dann in sein liebevoll lächelndes Gesicht sehe, wenn er meiner Tochter das steinharte Brot in kleine Brocken bröselt, damit sie die Enten füttern kann, kommen mir die Tränen.

Letztens war ich unterwegs mit einigen Bibelschülern, wir redeten über dies und das und auch über unsere Syrer. Wir alle haben kleine Dienste im Schloss zu erledigen und einer erzählte, wie ihm immer wieder einer oder zwei der Syrer dabei hilft. Und dann gings los. Wir alle sagten nacheinander: „Moment, die helfen doch auch mir.“ Es stellte sich heraus, dass unsere drei Flüchtlinge jedem einzelnen Bibelschüler bei ihren täglichen Arbeiten helfen. Und während wir alle etwa eine halbe Stunde am Tag etwas für die Gemeinschaft tun, arbeiten sie freiwillig zwei bis drei Stunden. Sie drücken ihre Dankbarkeit dadurch aus. Aber es ist abgefahren zu sehen, wie wir alle zum Segen füreinander werden können. Ich glaube ohne zögern, dass sich das auf jede noch so große Zahl an Flüchtlingen übertragen lässt.

 

Das Bild zeigt übrigens einen der allgemeinen Mehrbettschlafräume. Heute im Laufe das Tages wird dieses Zimmer von einigen Konfirmanden aus Franken bezogen werden.

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