Bibelschule. Äh, what?

Fragende Gesichter. Zumindest bei unseren Freunden, die nicht jeden Sonntag in die Kirche rennen oder einer Freikirche regelmäßig Spenden überweisen.
Auszeit ist klar. Nette Sache. 6 Monate chillen. Tendenziell Beneidungspotenzial vorhanden. Auch wenns Österreich ist und nicht die Kanaren. Aber Bibelschule?

Bibelschule ist Theologiestudium light

Ich glaube, dass die Bibel voller Wahrheiten steckt. Ich glaube, dass diese Wahrheiten leicht verständlich sind. Aber ich glaube auch, dass sich noch einiges darin verbirgt, was auf den ersten Blick nicht zu sehen ist. Und danach möchte ich schürfen.

Ich lese in erster Linie in einer bestimmten Bibel. Eine Lutherübersetzung, die mir mein Onkel zur Konfirmation schenkte. Ziemlich abgegriffen und geflickt das Teil. Vorne drin hat mir mein Onkel einen Vers reingeschrieben:

Ich freue mich über dein Wort wie einer, der große Beute macht. Ps 119, 162

Diesen Vers habe ich jahrelang eher skeptisch betrachtet. In all den Jahren habe ich mich nicht immer als Christ bezeichnet und habe nicht immer geglaubt, dass die Bibel Wahrheiten enthält. Aber selbst in den Jahren als Christ war die Bibel nie wirklich eine große Beute. Das sehe ich jetzt anders. Ich möchte die Bibel erforschen und ihre Geheimnisse entdecken.

Eigentlich wäre ein Theologiestudium das richtige. Aber ich habe einen Job, eine Familie, bin zumindest momentan der Ernährer – insofern keine Option. Bibelschule ist Theologiestudium light. So intensiv wie im kommenden halben Jahr werde ich mich nie mit der Bibel außeinandergesetzt haben.

6 Monate Bibelschule Schloss Klaus meanz:

  • 20 Stunden Unterricht pro Woche
  • als Familie im Schloss wohnen
  • Gemeinschaft mit der Schloss-Crew und etwa 30 Bibelschülern
  • soziale Einsätze
  • Snowboarden
  • jawasweißdennich

Und dann? Nix und dann. Es gibt Menschen, die ihr Leben lang die Bibel erforschen. Ob das bei mir auch so sein wird, weiß ich nicht. Momentan habe ich halt Durst. So, wie die Weichen aktuell stehen, kehren wir nach den 6 Monaten aber nach Nürnberg und ich in meinen alten Job zurück. Nur in unserer alten Wohnung wird dann jemand anderes leben.

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14 Gedanken zu “Bibelschule. Äh, what?

  1. Die Lutherbibel war auch meine erste Bibel (jedoch selbst gekauft.) Da findet man die ganzen geflügelten Worte.

    Meine Erfahrung ist allerdings: Wer die Bibel zitiert, oder andere bei der Interpretation unterstützen möchte, hat eine zu positiv gefärbte Sicht auf das Buch, welche sich aus dem vorliegenden Text gar nicht ergibt.

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    1. Danke für deinen Kommentar. Noch schöner wärs ja, wenn ich ihn verstehen würde :). Aber vielleicht tu ich das ja sogar? Du sagst also, dass du in meinem Blogbeitrag gar keine zu positiv gefärbte Sicht auf die Bibel findest?

      Das könnte sich im Laufe des Blogs natürlich ändern. Kannste dann je wieder entsprechend kommentieren. 😉

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  2. Hallo Jarypaulus

    Wie ich die Bibel erlebe, ist das eine Textsammlung voller Widersprüche. Um es etwas böse zu formulieren, man findet in dem Buch was man sucht.

    So wie ich die Texte auffasse, haben sie den Anspruch, für sich selbst zu stehen. Die Bibel steckt aus meiner Sicht nur dann voller Wahrheiten, wenn man die vielen Unwahrheiten und unmoralischen Empfehlungen übersieht. Wahrheit teste ich in der Welt und beurteile dann die entsprechenden Passagen in der Bibel.

    Mein altes Interesse an einem Theologiestudium hatte ich mit einer Phase des Eigenstudiums befriedigt: Elberfelder Übersetzung mit Kondordanz, sowie „Arbeitsbuch zum NT“ von Conzelmann/Lindemann.

    Das ist Kleinarbeit. Um mein Lieblingsbuch, das Evangelium nach Lukas zu verstehen, hatte ich mich erst mal an die Exegese von Markus gemacht. Nach ein paar Kapiteln hatte ich keine Zeit mehr. Die Notizen dazu habe ich aber noch 🙂

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    1. Klar, wer suchet, der findet, gell? 😉 Wahrheiten zum Beispiel. Oder aber Widersprüche. Würde allerdings keinesfalls sagen, dass das böse formuliert ist. Ähnliche Phänomene kennt man zum Beispiel von der Weinprobe.

      Ob deine Sichtweise (also eher Unwahrheiten) oder meine (also eher Wahrheiten), ist halt ne Glaubensfrage. Allerdings kann man beides finden, auch ohne das jeweils andere zu übersehen – und genau hier lohnt es sich meines Erachtens, näher hinzuschauen.

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  3. Ich vermute, dass du eher eine Interpretation (zum Beispiel „Was will Jesus mit der Parabel sagen“, oder noch ein Schritt weiter „Was will der Autor der Evangeliums sagen, der Petrus diese Worte in den Mund legt“) als Wahrheit siehst und weniger die bibliografische Beschreibung von Jesu Leben, oder die alttestamentarische Beschreibung der Erschaffung der Welt?

    War wahr ist, müsste auch den härstesten Tests standhalten, ohne umständliche Interpretation. Hier erlebe ich die gängige (kirchliche) christliche Sicht auf die Bibel als Versuch, die Standards aufzuweichen. Es wird immer das zur Glaubensfrage erhoben, was sich nicht belegen lässt. Damit kann es automatisch der Wahrheitsfindung nicht dienlich sein.

    Als Dokument, was die Leute dachten, sehe ich die Bibel als unschätzbare Fundgrube. Es gibt Parabeln, wo man nur den Namen der Währung austauschen braucht und es heute noch aktuell ist, wie die Arbeiter im Weinberg.

    Oder der Spruch „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“, meine Lieblingsstelle. Kritisch sehe ich allerdings die Bergpredigt, Jesus setzt dort zum Teil Maßstäbe an, die nicht realistisch sind.

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    1. Ui, jetzt wirds langsam spaßig 🙂 Danke für deinen Beitrag.
      Was ist Wahrheit, was ist Glaube, was ist Realität?

      Tatsächlich meinte ich beides. Historische Wahrheit und interpretierten Sinn. Ich glaube nunmal, dass Jesus gelebt hat, dass er gestorben und auferstanden ist. Das halte ich für eine historische Wahrheit. Ich glaube außerdem, dass er unter anderem mich dadurch gerettet hat. Das sind für mich sehr einfach verständliche Wahrheiten. Weit weniger klar ist dagegen beispielsweise die Antwort auf die Frage, warum Gott Leid zulässt. Es gibt keinen Test, mit dem sich der Wahrheitsgehalt der eigenen Interpretation überprüfen ließe.

      Das Problem: wie willst du etwas, was in der Vergangenheit stattfand, anhand von Tests verifizieren? Du kannst ja schon die meisten Dinge, die in er Gegenwart stattfinden, nicht verifizieren. Du suchst einen Beweis, wirst aber keinen erhalten, weder für die Existenz noch die Nichtexistenz Gottes. Deswegen ist das nunmal eine Glaubensfrage. Eine Thematik wird nicht dazu „erhoben“ (und wenn doch, dann fälschlicherweise), sie ist es.

      Ich bin allerdings ziemlich poststrukturalistisch angehaucht. Die reine Wahrheit gibt es für mich nicht. Die Realität wird letztendlich nur von meinem Hirn geschaffen. Interessanterweise sieht die Bibel das ähnlich, wenn sie sagt, dass jede Erkenntnis nur Stückwerk ist. Insofern ist für mich jede Frage eine Glaubensfrage.

      Ich sehe aber ein, dass das wenig praktikabel ist. Also definieren wir unsere Wahrnehmung einfach als Realität. Durch ständige Vergleiche versuchen wir, einen Konsens von Realität herzustellen, um eine Basis zu schaffen, auf der wir diskutieren können. Dieser Konsens ist eine brüchige Schnittmenge, mehrheitsgesteuert. Wahrheitsfindung ist ein nimmerendendes austarieren der Schnittmenge. Dass auf Basis von diesem Konsens das Leben Jesu und die Erschaffung der Welt, wie sie in der Bibel beschrieben werden, unwahrscheinlich erscheinen, ist mir bewusst.

      Aber! Selbst auf Basis des fragilen, aktuellen Realitätskonsens sprechen meines Erachtens weit mehr Dinge dafür, dass der Jesus der Bibel eine historische Figur ist, als dagegen. Ich müsste es mir selbst mal wieder ansehen, weil Jahre her, aber evtl. anregende Lektüre: „Die Tatsache der Auferstehung“.

      Ich poste heute Abend einen Blogbeitrag, der so ein bisschen in die Richtung geht und so ein bisschen erklärt, was Glaube/Religion für mich ist. Diskussionsbeiträge weiterhin sehr willkommen. 🙂

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  4. Hallo,

    die Leidproblematik des Gottesbildes würde ich gerne vorerst ausklammern, oder in einen externen Faden packen.

    Ich würde gerne eine Gemeinsamkeit betonen. Die Realität wie sie uns zugänglich ist, existiert nur als Abbild in unserem Gehirn. Dem stimme ich zu. Die Frage ist, ob wir beide auch davon ausgehen, dass wir alle in derselben externen Welt leben.

    Denn ich stimme eindeutig nicht zu, dass Wahrnehmung Realität ist. Als Realität sehe ich das, was unabhängig davon existiert, ob wir hinschauen oder wie wir hinschauen.

    Wenn wir davon ausgehen dass wir in derselben externen Welt leben, haben wir eine Methode zu prüfen, welche Realitätsabbilder eher stimmen als andere: Wiederholte, unabhängige Tests, die versuchen, ein solches Modell zu widerlegen. Stimmst du hier zu?

    Eine zweite Gemeinsamkeit ist die Akzeptanz der Schwierigkeit, historische Ereignisse zu rekonstruieren. Hat Jesus wirklich gelebt? Es gibt keinerlei historische Belege, nur die Evangelien in der Bibel und Bezüge auf diese. Für mich ist für das, was die Jesusfigur gesagt hat, gar nicht relevant ob es ihn gab. Die Worte stehen für sich.

    Während es schwierig ist, historische Ereignisse im Detail zu rekonstruieren, folgt daraus nicht, dass man sich aussuchen kann was wirklich passiert ist. Hat Zeus wirklich die Frau Europa geschwängert? Hat Herakles wirklich seine Aufgaben gelöst? Vor ein paar tausend Jahren glaubten viele gebildete Menschen daran. Wird Jesus in ein paar tausend Jahren in der gleichen Kategorie sein?

    Dass Jesus, sollte er gelebt haben, wiederauferstanden ist, sehe ich als klares Märchen. Das ist sogar biblisch nachzuvollziehen. In alten Markus-Abschriften fehlt der Part noch. Je später die Abschrift, je später das Verfassen eines Evangeliums, umso mehr Wundertaten sind drin. Die Geschichte wurde, das ist am Text schön zu zeigen, immer mehr ausgeschmückt. Was den Wert als lehrreiche Fabel nicht mindert.

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    1. Unabhängige Tests gibt es nicht. Wenn wir davon ausgehen, dass wir die tatsächliche Realität zumindest ansatzweise unverfälscht wahrnehmen, können wir unsere eigene Wahrnehmung immerhin mit anderen Wahrnehmungen vergleichen. Dabei wird es Dinge geben, die wir fast alle gleichermaßen wahrnehmen – etwa die Schwerkraft – und eben solche, bei denen das nicht der Fall ist.

      Griechische Mythologie dürften ziemlich viele Menschen als solche verstehen. Wenn es aber jemand nicht tut: soll mir recht sein.

      Für Jesus gibt es allerdings zahlreiche historische Belege. Warum du die Bibel von vorneherein ausschließt, verstehe ich nicht und warum du die vier Evangelien nicht als vier verschiedene Quellen ansiehst, die sie nun mal sind, auch nicht. Daneben gibt es aber zahlreiche Geschichtsschreiber, die Jesus durchaus erwähnen. Kannste sogar bei Wikipedia nachlesen. Dass er gelebt hat, kann man also durchaus als historischen Fakt ansehen, muss es allerdings dennoch nicht glauben. 🙂

      Seine Auferstehung wird in drei der vier wichtigsten historischen Quellen erwähnt, insofern kann man das durchaus ebenfalls als historischen Fakt ansehen. Ich hatte dich bisher so verstanden, dass du es nicht magst, wenn die Bibel so lange interpretiert wird, bis sie zum eigenen Weltbild passt. Interessanterweise machst du genau das selbst: du nimmst das eine Evangelium wichtiger als die anderen drei. Und die Tatsache, dass die Schilderung eines Ereignisses in der ältesten bekannten Abschrift fehlt, siehst du als Beleg an, dass das Ereignis nicht stattgefunden hat.

      P.S.: es ist natürlich sinnvoll, anzunehmen, dass die ältesten bekannten Abschriften der Urversion am nächsten kommen … aber mal rein hypothetisch bemerkt: beim Abschreiben kann man nicht nur Dinge hinzufügen, man kann sie auch weglassen …

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  5. Die Geschichtsschreiber erwähnen entweder Christen, die einem Christus anhängen, was kein Beleg für Jesu Historizität ist. Oder bei einer Erwähnung handelt sich, wie bei Flavius, um eine spätere Einschiebung die gar nicht vom Originalautor kommt, wie ein Vergleich des Schreibstils nahelegt. Es gibt kein historisches Dokument was einer näheren Überprüfung standhält, im Gegenteil erstaunt das Fehlen von Erwähnungen in den Schriften von Leuten wie Plutarch oder Philo.

    Wie gesagt, die älteste Erwähnung kommt von Paulus, rund 30 Jahre nach der mutmaßlichen Hinrichtung. Weitere 20 Jahre später wurde das Evangelium nach Markus fertiggestellt, offenbar Vorlage zumindest für Lukas und Matthäus.

    Wenn die Evangelien historische Quellen sind, warum nicht auch der Koran? Glaubst du, dass Mohammed auf einem geflügelten Pferd in den Himmel stieg?

    Warum sollte eine Markusabschrift die endgültige Wundertat weglassen? Der Markustext ergibt gerade in seiner Urform, so weit wir das rekonstruieren können, eine Pointe beim Auffinden des leeres Grabes.

    Jungfrauengeburt und Wiederauferstehung sind Tropen in Heldenepen damaliger Zeit. Sind auch die anderen Erzählungen wahr (vor allem betrifft das den Mithras-Mythos, es gibt diverse Parallelen auch mit ägyptischen und griechischen Gottesbildern)?

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    1. Aha, also gibt es doch historische Quellen, jetzt geht es allerdings um die Bewertung derselben. Hier möchte ich allerdings aussteigen. An geeigneterer Stelle können wir aber gerne wieder einsteigen.

      Nö, an den Koran glaube ich nicht. Interessiert mich ehrlich gesagt nicht sonderlich. Kommt vielleicht noch.

      Zum Markusevangelium habe ich bereits genug gesagt. Und ob es ähnliche Erzählmuster gibt, ist mir sowas von wurscht. Was soll das denn beweisen? Ich glaube im übrigen nicht an
      irgendwelche anderen Mythen.

      In nächster Zeit werde ich einen Text posten, der sich damit beschäftigt, warum ich glaube. Der sollte einige deiner Fragen beantworten.

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